Der Spielmannszug Brockel 


Bereits um 1900 gab es in Brockel einen Trommel- und Pfeifenzug, aus dem später der Spielmannszug des Schützenvereins hervorging. Damit zählt er zu den ältesten Spielmannszügen der Region. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm der Zug bereits 1948 wieder seinen Spielbetrieb auf und begleitete seitdem zahlreiche Schützen-, Ernte- und Volksfeste.



Vom „Trommel- und Pfeifencorps“ zum „Spielmannszug“
Spielleute im Schützenverein Brockel
(geschrieben von Alfred Hoffmann, Ehrenspielmannszugleiter)


Vorbemerkung

Der Kunstmaler Franz Veersemann aus Brockel berichtete, dass es schon Anfang 1900 einen Spielmannszug (damals Trommel- und Pfeifencorps), angeführt von seinem Vater Hermann Veersemann, in Brockel gab. Bestätigt wird das erstmals durch Eintragungen in das Kassenbuch des Schützenvereins 1908/09. Damit dürfte der Schützenverein Brockel den ältesten Spielmannszug im Landkreis in seinen Reihen haben.
Eine weitere sichere Dokumentation ist der Fund einer Trommel durch Otto Jilg, auf der das Jahr 1912 angegeben ist. Diese Trommel wurde von einer Musikalienhandlung in Peine restauriert, finanziert von Martin Raatz (Estrichbau) und Reinhard Studtmann (Blitzschutzanlagen).
Außerdem existiert noch eine „Trommelflöte“ aus Holz und in B gestimmt. Sie gehörte dem Malermeister Friedrich von Wiegen und später hat sich auch Helmut von Wiegen gespielt. Auch der alte Tambourstab von Heinz Bendig, gedrechselt von der Drechslerei Meyer, Brockel, ist noch vorhanden. Die historischen Instrumente lagern zur Zeit beim Ehrenspielmannszugleiter Alfred Hoffmann.
Die Geschichte des Spielmannszuges geht auf das Trommel- und Pfeifencorps des Schützenvereins Brockel e.V. zurück. Im Kassenbuch des Schützenvereins, das Eintragungen ab 1887 enthält, sind bereits in den Jahren 1908/09 Ausgaben für Musikinstrumente und die Anschaffung neuer Trommelfelle vermerkt.
Das Trommel- und Pfeifencorps stand unter der Leitung von Tambourmajor Hermann Veersemann, der schon Spielmann bei den kaiserlichen Truppen Kaiser Wilhelms II. in Friedens- und Kriegszeiten war. Später übernahm Sohn Hermann dieses Amt. Dieser ist, so geht aus den Gesprächen mit seinem Bruder, dem Kunstmaler Franz Veersemann, hervor, mit Leib und Seele Soldat und Spielmann und führte ein strenges Regiment.
Das Trommel- und Pfeifencorps wurde zum Schützenmusikkorps Brockel und war laut Berichten der einzige im damaligen Nord-West-Gau. Die Nazi-Zeit nahm auch das Schützenmusikkorps in Beschlag und es wurde zeitweilig Gau-Musikkorps genannt. Brockel wurde eine Zentrale für die Ausbildung von Spielleuten.
Nach dem 2. Weltkrieg finden sich 1948 ein paar alte Hasen und junge Spielleute unter Tambourmajor Heinz Bendig zusammen.
„Am 15. und 16. August 1948, beim ersten Ernte- und Volksfest nach dem Kriege, marschiert ein stattlicher Spielmannszug mit durch das Dorf.“
Damit nimmt der Spielmannszug Brockel als erster im Kreis seinen Spielbetrieb wieder auf.
Seit 1949 finden wieder Schützen-, Ernte- und Volksfeste statt, die stets vom Spielmannszug begleitet werden. Der Spielmannszug hat auch Mitglieder aus Hemslingen, so ist es immer eine stattliche Truppe, die den Rundmarsch anführte. Mit dabei ist auch stets das 1948 gegründete Blasorchester Brockel. Seit 1948 bis heute fehlt das Blasorchester bei keinem Fest des Schützenvereins.
Viele verschiedene Gründe sowie der viel zu frühe Tod von Schorse Oetjen, der den Nachwuchs ausbildete, führten dazu, dass der Spielmannszug 1968 aufgelöst wird.
Doch der Schützenverein Brockel ohne Spielmannszug – das kann sich keiner vorstellen. 1971 beim traditionellen Schützenfrühstück wird der Kinder-Spielmannszug des Schützenvereins Brockel e.V. ins Leben gerufen. Starken Anteil haben Ernst Lüdemann und Erwin Paul am Neuanfang. Anneliese Krüger, Anita Lüdemann und Albert Kröger werden Betreuer der jungen Spielleute.
Später nennt er sich Kinder- und Jugendspielmannszug, dann Jugendspielmannszug und heute Spielmannszug des Schützenvereins Brockel e.V. und ist nach wie vor fester Bestandteil des Schützenvereins.
Weiteres: Siehe Festschrift „10 Jahre Jugendspielmannszug Brockel“.
Der Spielmannszug des Schützenvereins Brockel e.V. hat nicht nur Auftritte bei den Festen und Ausmärschen in der näheren und weiteren Umgebung. Sie planen und organisieren Dorffeste und Treffen der Spielmanns-, Fanfaren- und Musikzüge. Die Schützenmitglieder unterstützen den Spielmannszug dabei tatkräftig.
1981 wird das 10-jährige Bestehen seit der Neugründung gefeiert. Für Tanzmusik sorgt die Band des „Heeresmusikkorps 3“. Zu Gast ist der befreundete Musik- und Majorettenzug aus Allagen/Möhne (Sauerland).
In den Jahren 1983/84 sind wir dann mit einer großen Abordnung gern gesehene Gäste in Allagen und nehmen dort an der Fasching-Festsitzung teil. Wir dürfen in der Schule übernachten und können uns dort auch verpflegen. Die Teilnehmer werden sich immer gerne daran erinnern. Leider schlief die Verbindung zu dem Musikzug später ein.